Muss Ihre Einrichtung Unterstützte Kommunikation (UK) anbieten? Zugang zur Kommunikation ist ein Recht: UK ist keine gute Praxis, die man dem Engagement einzelner Fachkräfte überlässt. Einrichtungen und Dienste für Menschen mit Behinderung sollten allen Menschen, die sie begleiten und die es brauchen, den Zugang zur Kommunikation sichern. Hier lesen Sie, was ein UK-Konzept in einer Einrichtung enthalten sollte, und eine Methode, um damit anzufangen.
Warum Kommunikation ein Recht ist
Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) erkennt in ihren Artikeln 2 und 21 ersetzende und ergänzende Kommunikationsformen sowie das Recht auf freie Meinungsäußerung an.
Es geht auch um Schutz: Menschen, die daran gehindert werden zu kommunizieren, sind besonders häufig Ziel von Gewalt, weil sie sie nicht anzeigen können.
Was ein UK-Konzept in der Einrichtung enthalten sollte
Damit alle begleiteten Menschen mit besonderen Kommunikationsbedürfnissen UK wirklich nutzen können, braucht es vier Handlungsfelder.
1. Die Kommunikationsbedürfnisse systematisch erfassen
Jede Einrichtung braucht ein Gesamtkonzept, um die Kommunikationsbedürfnisse systematisch zu erfassen, und die Mittel, um darauf zu antworten. Die Erfassung folgt dem Partizipationsmodell: Sie dient dazu, Potenziale und Ansatzpunkte zu erkennen, nie dazu, festzustellen, eine Person sei „noch nicht so weit“. Es gibt weder eine Altersgrenze noch Voraussetzungen. Wie diese Diagnostik praktisch abläuft, beschreibt UK im Team einführen.
2. Das Recht auf Kommunikation in den Dokumenten der Einrichtung verankern
Die grundlegenden Dokumente sollten das Recht auf Zugang zur Kommunikation ausdrücklich nennen: Konzeption der Einrichtung, Wohn- und Betreuungsvertrag, Informationen zur Aufnahme, Hausordnung, Arbeit des Mitwirkungsgremiums (z. B. Bewohnerbeirat). Das ist einer der Punkte, die sich bei einer Prüfung oder einer Qualitätsbewertung am leichtesten kontrollieren lassen, und deshalb einer der ersten, die Sie aktualisieren sollten.
3. Kommunikationsmittel ständig verfügbar machen
Piktogramme, Gebärden, Kommunikationstafeln, Tablets mit Sprachausgabe: Entscheidend ist nicht ein bestimmtes Hilfsmittel, sondern es sind Grundsätze. Das Kommunikationsmittel ist die Stimme der Person. Es gehört ihr, ist den ganzen Tag, an allen Orten und mit allen Gesprächspartnern verfügbar und nicht für einen bestimmten Termin im Tagesplan reserviert. Der Ansatz ist multimodal: Mehrere Mittel ergänzen sich, ohne Rangfolge (siehe Was ist Unterstützte Kommunikation (UK)?).
4. Die Teams schulen und die Praxis weiterentwickeln
Die Kommunikationspartner (Fachkräfte, Familien, Angehörige) müssen geschult werden, damit UK Teil jeder Interaktion wird.
Warum eine Einrichtung nicht abwarten sollte
Das Thema betrifft mehrere Bereiche, an denen die Qualität einer Einrichtung gemessen wird:
- Selbstbestimmung und Teilhabe: Sie stehen im Mittelpunkt jeder Qualitätsbewertung. Ohne passendes Kommunikationsmittel kann ein Mensch seine Entscheidungen kaum äußern.
- Schutz vor Gewalt: Fehlende Kommunikationsmittel sind ein bekannter Risikofaktor. Der Zugang zur Kommunikation gehört deshalb auch in das Gewaltschutzkonzept der Einrichtung.
Erste Schritte: die Methode in sechs Schritten
- Eine Bestandsaufnahme machen. Erfassen Sie die begleiteten Menschen mit besonderen Kommunikationsbedürfnissen und die Mittel, die ihnen im Alltag tatsächlich zur Verfügung stehen.
- Eine UK-verantwortliche Person benennen und die Leitung mit ins Boot holen: UK ist ein Projekt der ganzen Einrichtung, nicht die Sache einer einzelnen Fachkraft.
- Die Dokumente der Einrichtung aktualisieren: Konzeption, Wohn- und Betreuungsvertrag, Informationen zur Aufnahme, Hausordnung, Tagesordnung des Mitwirkungsgremiums.
- Sofort Hilfsmittel einsetzen, auch einfache: Eine Modelling-Tafel in jedem Raum verändert den Alltag schon spürbar (siehe die Materialien unten).
- Die Teams und die Familien schulen und die Schulung im Fortbildungsplan der Einrichtung festschreiben.
- Sich Unterstützung holen, zum Beispiel bei einer UK-Beratungsstelle in Ihrer Region: Die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation (ISAAC-GSC) führt eine Liste.
Zur Diagnostik, zur Rolle der UK-verantwortlichen Person, zur Schulung der Kommunikationspartner und zur Begleitung über die Zeit siehe UK im Team einführen.
Gleich anfangen: kostenlose Materialien zum Ausdrucken
Noch bevor Sie eine App auswählen, legen einfache, kostenlose Materialien zum Ausdrucken schon diese Woche die Grundlage für UK. Drei genügen für den Start.
Eine Modelling-Tafel
Im Raum aufgehängt oder auf den Tisch gelegt, erlaubt sie dem ganzen Team, während der Interaktionen auf die Piktogramme zu zeigen, ganz ohne Gerät. Sie ist der einfachste Einstieg in die UK im Alltag.
Ein visueller Tagesplan
Eine klare Zeitstruktur verringert Ängste, hilft, sich auf das Kommende einzustellen, und stärkt die Selbstständigkeit, besonders bei Menschen mit Autismus oder mit geistiger Behinderung. Jede Einrichtung passt ihn an ihre Zeiten und Aktivitäten an.
Eine bebilderte Sequenz
Für wiederkehrende Tätigkeiten (Essen, Aufräumen, Körperpflege) hilft sie, den Schritten zu folgen und zu handeln, ohne auf eine mündliche Anweisung angewiesen zu sein.
Materialien zum Ausdrucken herunterladen: eine Kommunikationstafel, die Broschüren der Vokabulare von Pictalk Buddy und Sequenzen für alltägliche Handlungen, ohne Anmeldung. Mehr dazu: Eine Kommunikationstafel erstellen und Visuelle Hilfen: Tagesplan, Sequenzen und Timer.
Häufige Fragen
Für welche Einrichtungen ist das gedacht?
Für alle Einrichtungen und Dienste, die Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit Behinderung begleiten, zum Beispiel Wohneinrichtungen, Werkstätten für behinderte Menschen, Tagesförderstätten oder ambulante Dienste. Dieselben Grundsätze gelten für Einrichtungen, die ältere Menschen begleiten.
Muss man Tablets kaufen?
Nein. Es braucht kein bestimmtes Hilfsmittel: UK kann mit Piktogrammen, Gebärden und einer ausgedruckten Modelling-Tafel beginnen. Digitale Hilfsmittel ergänzen den Ansatz.
Wer kann unsere Einrichtung begleiten?
Die UK-Beratungsstellen in Ihrer Region, Fachverbände für UK und Teams, die Einrichtungen schon im Alltag mit Hilfsmitteln ausstatten, wie Pictalk. Für Teams ermöglicht Buddy Pro, das bereits mehr als 140 Einrichtungen nutzen, die begleiteten Menschen in Gruppen zu organisieren und den Kommunikationsbericht jeder Person direkt einzusehen.
Sie möchten die Situation Ihrer Einrichtung besprechen und sehen, wie Sie konkret anfangen? Buchen Sie ein Gespräch mit dem Team.
Pictalk Buddy vereint Kommunikationstafeln, eine visuelle Agenda, geführte Sequenzen und Lebensbücher mit denselben Piktogrammen, auf Android, iOS, im Web und auf der Uhr. Eine App nach dem Prinzip „Zahle, was du willst“, entwickelt von einem gemeinnützigen Verein. Buddy entdecken
Quellen
- Vereinte Nationen, Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, Artikel 2 und 21.