Wer bezahlt ein Kommunikationsgerät und die Begleitung dazu? In Deutschland gelten Kommunikationshilfen als Hilfsmittel: Meist ist die gesetzliche Krankenkasse zuständig, auf ärztliche Verordnung. Je nach Situation kommen weitere Kostenträger infrage, etwa die Eingliederungshilfe oder, für Erwachsene im Beruf, das Integrationsamt. Jeder Fall ist anders: Dieser Leitfaden gibt Orientierung, ersetzt aber keine Rechtsberatung.
Was muss finanziert werden?
Wenn die App kostenlos ist oder nach dem Prinzip „Zahle, was du willst“ funktioniert, geht es beim Budget um Gerät und Begleitung:
- Das Gerät und sein Schutz: Tablet oder Smartphone (das vorhandene kann für den Anfang reichen), verstärkte Hülle mit Griff, Panzerglas, eventuell ein Tragegurt.
- Die Positionierung: Tisch- oder Rollstuhlhalterung, Ständer und manchmal eine Fingerführung (ein Gitter, das verhindert, dass zwei Felder gleichzeitig gedrückt werden).
- Optional: ein externer Lautsprecher für laute Orte, eine Uhr für Agenda und Erinnerungen, eine Bruchversicherung.
- Die Papierversion: gedruckte, laminierte Tafeln für Badewanne, Schwimmbad oder leeren Akku.
- Die Begleitung: logopädische Diagnostik, manchmal eine ergotherapeutische Einschätzung zu Positionierung und Zugang, Therapiestunden, Schulung der Bezugspersonen und der Schule.
Die Begleitung zählt genauso viel wie das Gerät: Eine kurze Schulung der Bezugspersonen im Modelling verändert ihre Praxis deutlich (Kent-Walsh & Binger, 2013, zitiert nach Beukelman & Light, 2020).
Einschätzen lassenEine Fachkraft klärt den Bedarf
Verordnung und AntragÄrztliche Verordnung, Diagnostik und Kostenvoranschlag an die Krankenkasse
Weitere Kostenträger prüfenEingliederungshilfe, Integrationsamt, Stiftungen
Schritt 1: den Bedarf einschätzen lassen
Die meisten Kostenträger verlangen die Einschätzung einer Fachkraft, die auch hilft, Rastergröße, Bildschirmposition und Zugangsweg zu wählen (siehe UK im Team einführen).
- Logopädie: Diagnostik und Therapie werden auf ärztliche Verordnung von der Krankenkasse bezahlt.
- Kinder: Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) und Frühförderstellen koordinieren Diagnostik und Förderung; eine Ergotherapeutin oder ein Ergotherapeut kann bei Positionierung und Zugang zum Tablet helfen.
- Beratung zu Hilfsmitteln: Regionale UK-Beratungsstellen beraten zur Auswahl und Nutzung; die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation (ISAAC-GSC) nennt Adressen.
Schritt 2: Verordnung und Antrag bei der Krankenkasse
Elektronische Kommunikationshilfen (Sprachausgabegeräte, Talker) sind Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung und bilden im Hilfsmittelverzeichnis eine eigene Produktgruppe. Die Krankenkasse entscheidet im Einzelfall, ob ein Hilfsmittel erforderlich ist.
Wer hat Anspruch?
Versicherte haben Anspruch auf Hilfsmittel, die im Einzelfall nötig sind, um eine Behinderung auszugleichen. Kommunizieren können gehört zu den Grundbedürfnissen, die damit gesichert werden sollen.
Wie beantragt man sie?
- Lassen Sie die Kommunikationshilfe ärztlich verordnen (zum Beispiel durch die Kinderärztin, den Kinderarzt oder die Neuropädiatrie).
- Fügen Sie die Berichte (Logopädie, Ergotherapie) und einen detaillierten Kostenvoranschlag bei; diesen erstellt meist der Hilfsmittelanbieter.
- Beschreiben Sie, wo, mit wem und wofür die Person kommunizieren muss.
- Bewahren Sie einen Nachweis über die Einreichung auf. Gegen eine Ablehnung können Sie Widerspruch einlegen; die Frist steht im Bescheid.
Schritt 3: weitere Kostenträger prüfen
- Eingliederungshilfe: Wenn das Hilfsmittel vor allem der sozialen Teilhabe dient und die Krankenkasse nicht zuständig ist, kann die Eingliederungshilfe infrage kommen.
- Beratung: Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) berät kostenlos, welcher Kostenträger zuständig ist.
- Stiftungen und Vereine: Manche unterstützen einzelne Anschaffungen. Fragen Sie schriftlich an.
Erwachsene in Arbeit oder Ausbildung
- Im Beruf: Das Integrationsamt (in manchen Ländern Inklusionsamt) kann technische Arbeitshilfen für schwerbehinderte Beschäftigte finanzieren; der Antrag kann über den Arbeitgeber oder direkt gestellt werden.
- Ausbildung und Berufseinstieg: Für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sind je nach Situation die Agentur für Arbeit oder die Rentenversicherung zuständig.
Ausprobieren vor dem Kauf
UK-Beratungsstellen, manche Hilfsmittelanbieter und Einrichtungen verleihen Geräte oder bieten Erprobungen an. Eine kostenlose App oder eine App nach dem Prinzip „Zahle, was du willst“ lässt sich auf einem Gerät ausprobieren, das schon zu Hause ist. Urteilen Sie nach mehreren Wochen, nicht nach ein paar Tagen (Beukelman & Light, 2020): siehe wie man eine Erprobung organisiert.
Einen überzeugenden Antrag vorbereiten
- Gehen Sie von den Situationen aus, in denen die Person sich nicht verständlich machen kann (Schule, Geschäft, Arztpraxis).
- Fügen Sie einen Bericht bei, der erklärt, warum eine Kommunikationshilfe nötig ist und warum genau dieses Gerät (Bildschirmgröße, Robustheit, Akkulaufzeit).
- Geben Sie an, ob die Software kostenlos ist oder nach dem Prinzip „Zahle, was du willst“ funktioniert: Der Antrag betrifft dann nur Gerät und Zubehör, was die Prüfung vereinfacht.
- Legen Sie Kostenvoranschläge bei, Schutz und Halterung inbegriffen.
Materialien zum Ausdrucken: siehe die Seite mit Materialien.
Häufige Fragen
Kann man das Tablet vor der Entscheidung der Krankenkasse kaufen?
Wer ein Hilfsmittel vor der Genehmigung selbst kauft, riskiert, die Kosten selbst zu tragen. Am sichersten ist es, die Entscheidung abzuwarten oder vorher mit Ihrer Krankenkasse zu sprechen.
Braucht man eine kostenpflichtige UK-App, um eine Finanzierung zu bekommen?
Nein. Kostenträger finanzieren ein Hilfsmittel, das zur Person passt, keine bestimmte Software. Mit einer kostenlosen App oder einer App nach dem Prinzip „Zahle, was du willst“ betrifft der Antrag nur das Gerät.
Muss man mit dem Start auf die Finanzierung warten?
Nein. Ein Antrag dauert oft Monate, und UK hat keine Voraussetzungen: Besser ein Hilfsmittel, das sofort nutzbar ist, als ein ideales System in einem Jahr (Beukelman & Light, 2020). Eine gedruckte Tafel oder die App auf einem Familien-Smartphone genügen für den Anfang (siehe Mythen über UK).
Pictalk Buddy vereint Kommunikationstafeln, eine visuelle Agenda, geführte Sequenzen und Lebensbücher mit denselben Piktogrammen, auf Android, iOS, im Web und auf der Uhr. Eine App nach dem Prinzip „Zahle, was du willst“, entwickelt von einem gemeinnützigen Verein. Buddy entdecken
Quellen
- Beukelman, D. R., & Light, J. C., 2020, Augmentative & Alternative Communication (5. Aufl.), Paul H. Brookes; Kent-Walsh & Binger (2013), zitiert nach diesem Werk.